Der Schallschutznachweis nach DIN 4109 weist rechnerisch nach, dass ein schutzbedürftiger Raum die geforderte Schalldämmung erreicht. Teil 1 legt die Mindestanforderungen fest, Teil 2 die Rechenverfahren. Eine Glastrennwand geht mit dem Kennwert ihres geprüften Aufbaus in diesen Nachweis ein, zusammen mit den Nebenwegen über Boden, Decke und Fassade.
Was DIN 4109 regelt und in welchen Teilen
Die Normreihe trennt Anforderung und Nachweisverfahren sauber voneinander. DIN 4109-1 „Schallschutz im Hochbau, Teil 1: Mindestanforderungen" in der Ausgabe 2018-01 legt Anforderungen an die Schalldämmung von Bauteilen schutzbedürftiger Räume und an die zulässigen Schallpegel in schutzbedürftigen Räumen fest, in Wohn- und in Nichtwohngebäuden.
DIN 4109-2 „Rechnerische Nachweise der Erfüllung der Anforderungen", ebenfalls Ausgabe 2018-01, liefert die dazugehörigen Rechenverfahren. Die Norm deckt Luft- und Trittschalldämmung im Gebäude, Außenbauteile und Geräusche aus haustechnischen Anlagen ab und stellt vereinfachte Verfahren bereit, die ohne den vollständigen Rückgriff auf die Reihe DIN EN 12354 auskommen.
Für eine Glastrennwand folgt daraus eine klare Arbeitsteilung. Die Anforderung gilt dem Raum, nicht dem Bauteil. Das Bauteil liefert einen Kennwert, der in die Rechnung eingeht.
Wer den Nachweis schuldet
Der Nachweis wird für das Gebäude geführt und gehört damit zur Planung. In der Praxis erstellt ihn der Fachplaner für Bauphysik oder der Objektplaner, der die Bauvorlagen verantwortet. Der ausführende Betrieb schuldet diesen Gebäudenachweis nicht.
Was der ausführende Betrieb schuldet, ist der belastbare Kennwert seines Bauteils, also die Angabe aus dem Prüfzeugnis des konkreten Systems, in der geplanten Ausführung mit Türblatt, Anschlussprofilen und Dichtungsebene. Wer diese Grenze im Vertrag offen lässt, produziert die klassische Lücke, in der niemand den Nachweis führt und trotzdem alle davon ausgehen, dass er vorliegt.
Praktisch bewährt hat sich, im Leistungsverzeichnis drei Punkte getrennt zu benennen: die geforderte Anforderung für den Raum, den nachzuweisenden Bauteilkennwert und die Frage, wer die Nebenwege plant. Diese Aufteilung entscheidet später darüber, wessen Leistung mangelhaft ist, wenn die Wand die Erwartung nicht erfüllt.
Mindestanforderung und erhöhter Schallschutz
DIN 4109-1 beschreibt Mindestanforderungen. Ein darüber hinausgehender Schallschutz ist keine automatische Folge der Norm, sondern eine Frage der Vereinbarung. Nach § 633 BGB ist das Werk frei von Sachmängeln, wenn es die vereinbarte Beschaffenheit hat. Ohne ausdrückliche Vereinbarung eines höheren Schutzniveaus bleibt die Mindestanforderung der Maßstab.
Für Büroprojekte ist das der entscheidende Satz im Bauvertrag. Vertraulichkeit in einem Besprechungsraum oder in einer Personalabteilung ist eine Nutzungsanforderung und wird nur dann geschuldet, wenn sie als Beschaffenheit vereinbart wurde. Sie ergibt sich nicht aus der Tatsache, dass ein Raum als Besprechungsraum bezeichnet ist.
Was ein prüfbarer Nachweis enthält
Damit der Nachweis für eine Glastrennwand tragfähig wird, gehören diese Angaben zusammen:
- Die Anforderung an den schutzbedürftigen Raum, bezogen auf die geplante Nutzung.
- Den Bauteilkennwert des geplanten Glasaufbaus aus einem Prüfzeugnis, nicht aus einer Katalogangabe zum Glas allein.
- Die Ausführung der Tür, weil ein bewegliches Element mit Dichtungsebene und Bodenspalt anders zu bewerten ist als ein feststehendes Feld.
- Die Anschlüsse an Boden, Decke und flankierende Bauteile, weil sie den Nebenweg bestimmen.
- Die Annahmen zu flankierenden Bauteilen wie Fassade, Doppelboden und abgehängter Decke.
- Die zugrunde gelegte Fassung der Norm und das Rechenverfahren aus DIN 4109-2.
Fehlt einer dieser Punkte, bleibt der Nachweis unvollständig, auch wenn die Rechnung in sich stimmt. Prüfbar wird er erst, wenn die Annahmen offen liegen.
Warum der geprüfte Wert und die gebaute Wand auseinanderfallen
Ein Kennwert aus dem Prüfstand beschreibt das Bauteil unter definierten Randbedingungen. Am Bau kommen die Nebenwege dazu, über die Schall an der Wand vorbeiläuft. Genau dafür rechnet DIN 4109-2 die flankierende Übertragung mit ein, statt den Bauteilwert unverändert zu übernehmen.
Wie eine Glaswand akustisch aufgebaut ist und welche Rolle Glasdicke, Scheibenabstand und Folie dabei spielen, steht ausführlich in unserem Beitrag dazu, was eine Glaswand akustisch überhaupt leistet. Für die konstruktive Bemessung des Glases gilt eine eigene Normreihe, nachzulesen unter welche Bemessungsnorm für das Glas selbst gilt.
Was ins Leistungsverzeichnis gehört
| Position | Formulierung im LV | Warum |
|---|---|---|
| Anforderung | Anforderung für den schutzbedürftigen Raum nach DIN 4109-1, aktuelle Fassung | Bindet die Leistung an die Norm statt an eine Erwartung |
| Bauteilkennwert | Nachzuweisender Kennwert des Systems inklusive Tür | Verhindert die Verwechslung von Glaswert und Bauteilwert |
| Nachweisform | Prüfzeugnis des konkreten Aufbaus, vorzulegen vor Fertigung | Macht die Zusage vor der Produktion überprüfbar |
| Nebenwege | Zuständigkeit für flankierende Bauteile benennen | Klärt die Schnittstelle zu Trockenbau und Ausbau |
| Erhöhter Schallschutz | Nur als ausdrückliche Beschaffenheitsvereinbarung | Ohne Vereinbarung gilt die Mindestanforderung |
| Anschlüsse | Ausführung an Boden, Decke, Wandanschluss beschreiben | Der Nebenweg entsteht am Detail, nicht in der Fläche |
Mit dieser Struktur ist der Nachweis vor der Vergabe geführt, nicht nach der Reklamation.
Häufige Fragen
Wer erstellt den Schallschutznachweis nach DIN 4109?
Der Nachweis wird für das Gebäude geführt und gehört zur Planung, in der Regel zum Fachplaner für Bauphysik oder zum Objektplaner. Der ausführende Betrieb liefert den Kennwert seines Bauteils aus einem Prüfzeugnis. Diese Aufteilung sollte im Vertrag stehen, sonst bleibt offen, wer die Rechnung für den Raum verantwortet.
Reicht der Schalldämmwert des Glases als Nachweis?
Nein. Der Wert einer Verglasung beschreibt das Glas, nicht die fertige Wand. In den Nachweis geht der Kennwert des geprüften Gesamtaufbaus ein, also Glas, Profile, Dichtungsebene und Tür. Zusätzlich rechnet DIN 4109-2 die flankierende Übertragung über Boden, Decke und angrenzende Bauteile mit ein.
Was ist der Unterschied zwischen DIN 4109-1 und DIN 4109-2?
DIN 4109-1 in der Ausgabe 2018-01 legt die Mindestanforderungen an die Schalldämmung von Bauteilen schutzbedürftiger Räume fest. DIN 4109-2 aus demselben Ausgabejahr enthält die rechnerischen Verfahren, mit denen die Erfüllung dieser Anforderungen nachgewiesen wird, einschließlich vereinfachter Verfahren.
Muss erhöhter Schallschutz gesondert vereinbart werden?
Ja. DIN 4109-1 beschreibt Mindestanforderungen. Ein höheres Schutzniveau ist nach § 633 BGB nur dann geschuldet, wenn es als Beschaffenheit vereinbart wurde. Für Besprechungsräume und Personalabteilungen gehört diese Vereinbarung ausdrücklich in den Vertrag, weil sie sich nicht aus der Raumbezeichnung ergibt.
Wann muss der Nachweis vorliegen?
Sinnvoll ist der Nachweis vor der Vergabe, spätestens vor der Fertigung. Danach lässt sich der Aufbau nicht mehr ohne Änderungskosten anpassen, weil Glasaufbau, Profilsystem und Türausführung produktionswirksam festgelegt sind. Wer den Nachweis in die Ausführungsphase schiebt, verlagert ein Planungsthema in die Mängelhaftung.
Gilt DIN 4109 auch für nicht tragende Trennwände im Bestand?
Die Anforderungen der Norm gelten dem schutzbedürftigen Raum, unabhängig davon, ob die Trennwand tragend ist. Im Bestand ist zusätzlich zu klären, welche flankierenden Bauteile vorhanden sind, weil Doppelböden, durchlaufende Fassaden und abgehängte Decken den Nebenweg bestimmen. Das gehört vor die Ausschreibung.
Kontakt & telefonisches Erstgespräch
Wenn du eine Anforderung an den Schallschutz in ein Leistungsverzeichnis überführst, liefern wir dir die Kennwerte des geplanten Aufbaus einschließlich Tür und Anschlüssen. Der einfachste Weg dorthin ist unser Kontaktformular. Wir melden uns zum telefonischen Erstgespräch unter +49 841 13807799 und klären die Randbedingungen, bevor ein Aufmaß ansteht. Womit wir Räume mit Glas trennen, siehst du bei Glastrennwände von GLAS KÜNZL.
→ Telefonisches Erstgespräch vereinbaren
GLAS KÜNZL · Moosmüllerweg 13 · 85055 Ingolstadt · +49 841 13807799 · info@glas-kuenzl.de
Passende Themen

