Schloss und Griff werden bei einer Glastür von Anfang an mitgeplant. Beide bestimmen Türart, Glasbearbeitung und Bedienung. Für Anschlagtüren passt meist der Schlosskasten mit Drücker, für Pendel- und Schiebetüren häufig ein Stangen- oder Muschelgriff. Entscheidend sind Nutzung, Fluchtweglage, gewünschte Verriegelung, Schallschutz und die exakt geplanten Bohrungen im ESG.
Beschlag und Glas gehören zusammen
Eine Holztür lässt sich auf der Baustelle vergleichsweise leicht nacharbeiten. Bei deiner Glastür steht das Bohrbild fest, bevor das Türblatt montiert wird. Schlosskasten, Griff, Bänder und Gegenstück müssen deshalb bereits in der technischen Planung zusammenpassen.
Für bewegliche Türen in Glas- und Loft-Trennwänden verwenden wir ESG mit 8 oder 10 mm Stärke. Feststehende Felder führen wir bei diesen Systemen mit 12 mm VSG aus. Die Glasstärke allein entscheidet noch nichts. Lage und Größe der Bohrungen, Ausschnitte, Zwischenlagen und Spaltmaße müssen zum Beschlag und zum Türformat passen.
Die DGUV Information 208-014 „Glastüren, Glaswände" nennt für Ganzglastüren aus ESG unter anderem die richtige Dimensionierung und Positionierung von Bohrungen, passende Beschläge und Zwischenlagen sowie die Vermeidung von Metallkontakt zum Glas. Für ESG führt DIN Media die aktuelle DIN EN 12150-1:2020-07 mit dem vollständigen Titel „Glas im Bauwesen – Thermisch vorgespanntes Kalknatron-Einscheiben-Sicherheitsglas – Teil 1: Definition und Beschreibung".
Fünf Lösungen im Vergleich
| Lösung | Typischer Einsatz | Verriegelung | Was am Glas geplant wird |
|---|---|---|---|
| Schlosskasten mit Drücker | Anschlagtür mit Zarge | Falle und Profilzylinder-Ausführung möglich | Ausschnitt und Bohrbild für Schlosskasten und Drückerführung |
| Eckiger Stangengriff 15 × 15 mm | Pendel- oder Schiebetür | keine Schlossfunktion durch den Griff | zwei fluchtende Befestigungspunkte nach Beschlagsystem |
| Runder Stangengriff, zum Beispiel 1000 mm lang | Pendel- oder Schiebetür | keine Schlossfunktion durch den Griff | Bohrabstand, Griffposition und Abstand zur Glaskante |
| Muschelgriff | Schiebetür mit knappem seitlichem Laufraum | keine Schlossfunktion durch den Griff | flacher Griffbereich passend zu Überdeckung und Laufweg |
| Geklebter Trapezgriff oder Griffleiste | Türsystem mit bewusst reduzierter Griffgeometrie | keine Schlossfunktion durch den Griff | Klebefläche und Freigabe des gewählten Beschlagsystems |
Die Maße 15 × 15 mm und 1000 mm sind Ausführungsbeispiele, keine Vorgabe für jede Tür. Griffhöhe, Länge und Bohrabstand legen wir passend zu Türformat und Nutzung fest.
Der Schlosskasten an der Anschlagtür
Soll deine Glas-Innentür versperrbar sein, ist die Anschlagtür mit Zarge die klarste Lösung in unserem Sortiment. Der Schlosskasten sitzt auf dem Glas und nimmt Falle, Drückerführung und bei der Profilzylinder-Ausführung den Schließzylinder auf. Das Gegenstück liegt in der Zarge. Beide Seiten müssen in Höhe und Achse exakt zueinander stehen.
Der Drücker überträgt die Handbewegung auf die Falle. Er ist damit Bedienelement und Teil der Schlossfunktion. Ein Stangengriff kann diese Aufgabe nicht übernehmen. Er bewegt das Türblatt, betätigt aber keine Falle.
Die Anschlagtür hat zugleich den akustisch stärksten Aufbau unter den beweglichen Türvarianten des Systems. Das Türblatt schließt gegen einen festen Anschlag und lässt sich umlaufend besser dichten. Wenn dein Besprechungsraum zugleich zugänglich, versperrbar und möglichst ruhig sein soll, führt die Planung deshalb häufig zu Zarge, Schlosskasten und Drücker.
Wenn die Tür im Verlauf eines Fluchtwegs liegt
Über die Verriegelung entscheidet dann nicht mehr die Nutzung. Anhang 1.7 Absatz 8 der Arbeitsstättenverordnung verweist für Türen im Verlauf von Fluchtwegen auf Anhang 2.3. Dort steht in Absatz 2 wörtlich:
> „Türen im Verlauf von Fluchtwegen oder Türen von Notausgängen müssen a) sich von innen ohne besondere Hilfsmittel jederzeit leicht öffnen lassen, solange sich Beschäftigte in der Arbeitsstätte befinden, b) in angemessener Form und dauerhaft gekennzeichnet sein. Türen von Notausgängen müssen sich nach außen öffnen lassen. In Notausgängen, die ausschließlich für den Notfall konzipiert und ausschließlich im Notfall benutzt werden, sind Karussell- und Schiebetüren nicht zulässig." > — Arbeitsstättenverordnung, Anhang 2.3 Absatz 2
Drei Dinge daran sind für deine Beschlagwahl wichtig, und alle drei stehen im zitierten Wortlaut:
- Das leichte Öffnen von innen wird gefordert, solange sich Beschäftigte in der Arbeitsstätte befinden. Das Abschließen außerhalb dieser Zeit schließt der Wortlaut nicht aus.
- Das Verbot von Karussell- und Schiebetüren richtet sich an Notausgänge, die ausschließlich für den Notfall konzipiert und ausschließlich im Notfall benutzt werden. Eine Schiebetür im täglich genutzten Durchgang fällt nicht ohne Weiteres darunter.
- Welche Beschlagslösung im Einzelfall zulässig ist, ergibt sich aus dem Brandschutzkonzept deines Gebäudes. Diese Festlegung treffen wir nicht. Wir setzen sie um und stimmen Glasbearbeitung, Zarge und Beschlag darauf ab.
Deshalb klären wir die Fluchtweglage im telefonischen Erstgespräch, bevor Griffform und Oberfläche überhaupt zur Wahl stehen.
Stangengriffe an Pendeltüren
Eine Pendeltür öffnet in beide Richtungen und sitzt bei unseren Systemen in sichtbaren Eckbeschlägen oben und unten. Ein Stangengriff gibt der Hand auf beiden Türseiten eine klare Greifposition, ohne eine Fallenfunktion vorzutäuschen.
An der Nebenschließkante entsteht dabei eine Stelle, die du mitplanen solltest. Die DGUV Information 208-014 nennt sie als Ursache von Fingerverletzungen und verweist auf Punkt 6 der ASR A1.7 „Türen und Tore": Von einer Gefährdung ist auszugehen, wenn sich zwischen Neben- und Gegenschließkante der geöffneten Tür ein Spalt von 8 mm oder mehr ergibt. Als konstruktive Abhilfen nennt die Quelle unter anderem einen Rundpfosten als Türdrehpunkt, die Festlegung des Drehpunkts in Verlängerung der hinteren Flügelkante, Profilteile am Türrahmen und Aufsteckelemente, die den Spalt auf 4 mm oder weniger verringern.
Der Komfort der beidseitigen Öffnung hat außerdem eine akustische Grenze. Eine Pendeltür schließt ohne festen Anschlag gegen die Dichtung und ist innerhalb des Türvergleichs die schwächste Variante beim Schallschutz. Zu einem häufig genutzten Durchgang kann sie sehr gut passen. Für einen Raum mit hoher Anforderung an Ruhe oder Vertraulichkeit ist die Anschlagtür meist die präzisere Wahl.
Muschel- und Stangengriff an Schiebetüren
Eine Schiebetür braucht keinen Schwenkbereich. Das Türblatt läuft seitlich vor einem Festfeld oder einer Wand. Genau dieser Laufweg bestimmt die Griffwahl.
Ein Stangengriff lässt sich sicher greifen und setzt einen klaren Akzent auf dem Glas. Er benötigt jedoch Raum, wenn das Türblatt in die geöffnete Position fährt. Ein Muschelgriff baut flacher. Er kann verhindern, dass ein weit auskragender Griff den Laufweg begrenzt. Vor der Festlegung prüfen wir mit dir Überdeckung, Endposition, Wandabstand und die Bedienung von beiden Seiten.
Beim Slim.Industrial-System hat die Schiebetür eine sichtbare Laufschiene mit 70 mm Ansichtsbreite und Softclose. Der Griff ist nur ein Teil dieses Systems. Laufwagen, Führung, Anschlag und Griffposition müssen gemeinsam funktionieren.
Was bei Glas anders ist
Die DGUV Information 208-014 führt für Planung und Einbau von Ganzglastüren und -schiebeelementen aus ESG dreizehn Punkte auf. Diese wirken sich direkt auf Schloss, Griff und Glasbild aus:
- Bohrungen und Ausschnitte stehen vor der Fertigung fest. Ein Schlosskasten braucht ein anderes Glasbild als ein Stangengriff.
- Glas und Metall dürfen keinen direkten Kontakt bekommen. Passende Zwischenlagen verteilen die Kräfte am Beschlag.
- Schrauben brauchen das richtige Anzugsmoment. Die Quelle fordert einen zwängungsfreien Einbau ohne lokale Spannungsüberschreitungen, etwa durch zu fest angezogene Schrauben.
- Spaltmaße verhindern harte Kontakte. Glas darf weder an Glas noch an Metall oder Beton anschlagen.
- Kanten und Beschlagzonen bleiben geschützt. Die Planung berücksichtigt Nutzung, Türbewegung und mögliche Stoßstellen.
- Die Beschläge müssen leichtgängig bleiben. Die DGUV nennt dazu begrenzte Bedienkräfte für Türflügel von 220 N / 150 N.
- Die Glasflügel werden kenntlich gemacht. Die Quelle führt das als Anprallvermeidung und rät, es bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen, weil dann auch Beschichtungen oder Siebdrucke noch möglich sind.
Diese Punkte dienen dem Bruch- und Verletzungsschutz. Die konkrete Ausführung legen wir für dein Türformat, die Befestigung und den Untergrund fest.
Kenntlichmachung in Augenhöhe
Steht deine Glastür in einer Arbeitsstätte — Büro, Praxis, Ladenlokal —, ist die Kennzeichnung keine Geschmacksfrage. Anhang 1.7 Absatz 2 der Arbeitsstättenverordnung lautet vollständig: „Durchsichtige Türen müssen in Augenhöhe gekennzeichnet sein." Die DGUV Information 208-014 zitiert dazu die Konkretisierung aus Punkt 5 (7) der Arbeitsstättenregel ASR A1.7 „Türen und Tore": „Türen, die zu mehr als drei Vierteln ihrer Fläche aus einem durchsichtigen Werkstoff bestehen, müssen in Augenhöhe so gekennzeichnet sein, dass sie deutlich wahrgenommen werden können."
Für die Glaswand neben der Tür gilt eine eigene Anforderung. Anhang 1.5 Absatz 3 verlangt, dass durchsichtige oder lichtdurchlässige Wände, insbesondere Ganzglaswände in Arbeitsräumen oder im Bereich von Verkehrswegen, deutlich gekennzeichnet sein müssen.
Bei ESG hat die Art der Kennzeichnung eine technische Folge, die die DGUV ausdrücklich benennt. Das Bekleben von ESG kann im Schadensfall zu einer stärkeren Schollenbildung der Bruchstücke führen und damit das Verletzungsrisiko erhöhen. Deshalb sollte eine Kenntlichmachung von ESG aus mehreren kleinflächigen Aufklebern bestehen, idealerweise ist das Glas bereits während des Herstellungsprozesses mechanisch oder chemisch kenntlich gemacht. Vom Bekleben einer Tür in einer Höhe über 2 m rät die Quelle ab. Auffallende Griffe, Handleisten, getönte oder geätzte Scheiben und kontrastreiche Türrahmen können die Anforderung ebenfalls erfüllen.
Siebdruck, Ätzung oder eine kontrastreiche Griffleiste entscheidest du deshalb sinnvollerweise vor der Fertigung mit. Nachträglich bleibt nur die Klebefolie.
Auswahl nach Nutzung
Für die passende Kombination reichen Form und Farbe des Griffs nicht aus. Diese Fragen klärst du vor dem Aufmaß:
- Liegt die Tür im Verlauf eines Flucht- oder Rettungswegs?
- Soll die Tür anschlagen, pendeln oder seitlich schieben?
- Muss der Raum versperrbar sein oder genügt Ziehen und Drücken?
- Wie häufig und von wie vielen Personen wird der Durchgang genutzt?
- Wie wichtig ist Schallschutz im Vergleich zur beidseitigen Öffnung?
- Wie weit darf ein Griff in den Lauf- oder Bewegungsraum ragen?
- Soll der Griff rund, eckig oder möglichst flach wirken?
- Welche Griffposition erreichst du von beiden Seiten gut?
Bei einer kompletten Raumtrennung aus Glas planen wir Tür, Festfelder und Profile als Einheit. Für eine einzelne Glas-Innentür ohne angrenzende Glaswand findest du die passende Einordnung unter Glastür im Durchgang.
Häufige Fragen
Kann jeder Griff später an eine Glastür montiert werden?
Nein. Bohrungen und Ausschnitte für einen Schlosskasten oder verschraubten Griff werden vor der Fertigung des ESG festgelegt. Ein geklebter Trapezgriff ist eine eigene, vorab gewählte Lösung. Er macht ein unpassendes Bohrbild nicht nachträglich passend.
Was ist der Unterschied zwischen Drücker und Stangengriff an einer Glastür?
Ein Drücker betätigt die Falle im Schlosskasten. Ein Stangengriff dient zum Ziehen oder Drücken und verriegelt die Tür nicht. Deshalb passt der Drücker zur Anschlagtür mit Schlossfunktion, während Stangengriffe häufig an Pendel- und Schiebetüren eingesetzt werden.
Welches Schloss passt zu einer Glas-Innentür?
Für eine versperrbare Anschlagtür mit Zarge setzt GLAS KÜNZL einen Schlosskasten mit Drücker und Profilzylinder-Ausführung ein. Schlosskasten, Gegenstück in der Zarge, Glasbearbeitung und Türanschlag müssen als gemeinsames System geplant werden.
Was gilt für eine Glastür im Verlauf eines Fluchtwegs?
Nach Anhang 2.3 Absatz 2 der Arbeitsstättenverordnung müssen sich Türen im Verlauf von Fluchtwegen oder Türen von Notausgängen von innen ohne besondere Hilfsmittel jederzeit leicht öffnen lassen, solange sich Beschäftigte in der Arbeitsstätte befinden, und sie müssen in angemessener Form und dauerhaft gekennzeichnet sein. Ob deine Tür betroffen ist und welche Beschlagslösung dann zulässig ist, ergibt sich aus dem Brandschutzkonzept des Gebäudes.
Muss eine Glastür im Büro gekennzeichnet werden?
Ja. Anhang 1.7 Absatz 2 der Arbeitsstättenverordnung verlangt, dass durchsichtige Türen in Augenhöhe gekennzeichnet sein müssen. Die Arbeitsstättenregel ASR A1.7 konkretisiert das für Türen, die zu mehr als drei Vierteln ihrer Fläche aus einem durchsichtigen Werkstoff bestehen. Bei ESG empfiehlt die DGUV mehrere kleinflächige Aufkleber statt großer Flächen, im Idealfall eine schon im Herstellungsprozess eingebrachte Kenntlichmachung.
Welcher Griff eignet sich für eine Glasschiebetür?
Ein Stangengriff bietet eine klar greifbare Zugfläche. Ein Muschelgriff baut flacher und kann sinnvoll sein, wenn das Türblatt dicht an einem Festfeld oder einer Wand vorbeiläuft. Entscheidend sind Überdeckung, Laufweg und der verfügbare Abstand im geöffneten Zustand.
Welche Glasstärke verwendet GLAS KÜNZL bei Türen in Glastrennwänden?
Bei beweglichen Türen in Glas- und Loft-Trennwänden verwendet GLAS KÜNZL ESG in 8 oder 10 mm. Die konkrete Stärke ergibt sich aus Türformat, Beschlagsystem und Einbausituation. Feststehende Felder werden davon getrennt geplant und bei diesen Systemen mit 12 mm VSG ausgeführt.
Kontakt & telefonisches Erstgespräch
Ruf uns an. Im telefonischen Erstgespräch unter +49 841 13807799 klären wir Fluchtweglage, Türart, Verriegelung, Griffwunsch und Einbausituation. Schriftlich erreichst du uns über das Kontaktformular. Danach folgen Aufmaß, technische Planung und Montage durch unsere eigenen Teams.
GLAS KÜNZL · Moosmüllerweg 13 · 85055 Ingolstadt · +49 841 13807799

