Ratgeber

Absturzsicherung Dachterrasse: Glas richtig befestigen

Ludwig Künzl
AUTORLudwig Künzl
VERÖFFENTLICHT AM22.08.2026
Ganzglasgeländer auf umlaufender Betonattika einer Dachterrasse, dahinter Wohnraum und weiter Blick ins Grüne
Das Glas sitzt hier auf der Attika auf – die Klemmprofile müssen dabei bis in die tragende Konstruktion durchgreifen, ohne die Dachabdichtung unkontrolliert zu durchdringen.

Auf einer Dachterrasse ist die Umwehrung bauordnungsrechtlich geregelt; ob und wie sie auszuführen ist, entscheidet sich an der konkreten Einbausituation. Bei einer Glaslösung bestimmt der Windnachweis den Lastabtrag bis in die Tragkonstruktion. Der Anschluss muss zugleich die Dachabdichtung fachgerecht einbinden. Beide Details gehören vor dem Schichtenaufbau in eine gemeinsame Planung.

Wann die Sicherung Pflicht ist

Ob und wie eine Dachterrasse zu sichern ist, richtet sich nach dem Landesrecht und der konkreten Einbausituation. Für ein Vorhaben in Bayern ist der seit 1. Mai 2026 geltende Art. 36 der Bayerischen Bauordnung maßgeblich. Art. 36 Abs. 1 beginnt mit „In, an und auf baulichen Anlagen sind zu umwehren“ und nennt für den Dachterrassenfall insbesondere diese beiden Nummern:

  1. „Flächen, die im Allgemeinen zum Begehen bestimmt sind und unmittelbar an mehr als 0,50 m tiefer liegende Flächen angrenzen; das gilt nicht, wenn die Umwehrung dem Zweck der Flächen widerspricht,“
  2. „Dächer, die zum Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, sowie Öffnungen und nicht begehbare Flächen in diesen Dächern und in begehbaren Decken, soweit sie nicht sicher abgedeckt oder gegen Betreten gesichert sind,“

Nr. 2 erfasst Dächer, die zum Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, als eigenen Fall. Die 0,50-m-Schwelle aus Nr. 1 greift daneben für begehbare Flächen an Absturzkanten.

Art. 36 Abs. 2 verlangt, dass Umwehrungen ausreichend hoch und fest sind. Ist mit der Anwesenheit unbeaufsichtigter Kleinkinder auf der zu sichernden Fläche üblicherweise zu rechnen, müssen Umwehrungen so ausgebildet werden, dass sie Kleinkindern das Über- oder Durchklettern nicht erleichtern. Das gilt nicht innerhalb von Wohngebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2 und innerhalb von Wohnungen.

Für die Planung werden deshalb Nutzung, zugängliche Kanten, Absturzhöhe, vorhandene Attika und örtliche Vorgaben gemeinsam eingeordnet. Welche Höhe und Ausführung ausreichen, ergibt sich aus dem vollständig anzuwendenden Landesrecht, den eingeführten Technischen Baubestimmungen und den projektspezifischen Nachweisen. Außerhalb Bayerns gilt die jeweilige Landesbauordnung.

Attika oder Glasgeländer

Eine Attika ist der aufstehende Rand am Flachdach. Sie kann Teil der Umwehrung sein, wenn sie die geforderte Höhe und Festigkeit erreicht. Eine niedrige Attika ersetzt die Absturzsicherung nicht automatisch. Sie kann aber ein geeigneter Anschlussbereich für ein aufgesetztes oder seitlich befestigtes Ganzglasgeländer sein.

Vor der Systemwahl erfassen wir fünf Maße und Eigenschaften:

  1. die Absturzhöhe an jeder zugänglichen Kante,
  2. die Höhe und Breite der Attika ab fertigem Terrassenbelag,
  3. der Aufbau aus Rohdecke, Dämmung, Abdichtung und Belag,
  4. die tragfähige Konstruktion hinter den sichtbaren Schichten,
  5. Gebäudehöhe, Lage und Exposition für den Windnachweis.

Der fertige Terrassenbelag ist das relevante Bezugsniveau für die sichtbare Umwehrung. Ändert sich der Bodenaufbau während der Planung, verändert sich deshalb auch die wirksame Höhe. Das gehört vor Bestellung der Scheiben geklärt.

Warum die Abdichtung die Befestigung bestimmt

Ein Glasgeländer leitet horizontale Kräfte in das Bauwerk. Dämmung, Plattenbelag und Abdichtungsbahn sind dafür allein keine tragfähigen Untergründe. Die Befestigung muss die tragende Decke oder eine nachgewiesene Attikakonstruktion erreichen. Gleichzeitig darf der Anschluss keinen unkontrollierten Weg für Wasser schaffen. Die DIN 18531-1:2025-08 behandelt Anforderungen sowie Planungs- und Ausführungsgrundsätze für die Abdichtung genutzter und nicht genutzter Dächer. Die DIN 18531-3:2025-08 deckt Abdichtungsbauarten, Ausführung und Detailausbildung ab. Das Befestigungsdetail und der dichte Anschluss müssen deshalb zusammen geplant werden.

Sitzt das Profil auf der Oberseite, führt der Lastpfad häufig durch den Dachaufbau. Bei einer seitlichen Montage kann die horizontale Abdichtungsfläche freier bleiben, doch auch der Übergang an der Stirnseite oder Attika braucht ein abgestimmtes Detail. Das für die Dachabdichtung verantwortliche Fachunternehmen legt den dichten Anschluss fest. GLAS KÜNZL plant und montiert Glas sowie Befestigung und stimmt die Schnittstelle mit den beteiligten Planern und Fachunternehmen ab.

Die Entscheidung fällt deshalb vor Abschluss der Abdichtung. Ein nachträglich gesetztes Profil kann technisch möglich sein, verursacht aber mehr Schnittstellen und schränkt die Wahl der Anschlussdetails ein.

Fünf Anschlusspunkte am Dachrand

Die Tabelle zeigt Planungsvarianten, keine pauschalen Freigaben. Bei jeder Variante müssen Untergrund, Befestigungsmittel, Glasaufbau und Windlast gemeinsam nachgewiesen werden.

AnschlusspunktEingriff in die AbdichtungEignung bei WindlastPlanungshinweis
Klemmprofil auf der Rohdeckeführt durch den Dachaufbau, wenn die Abdichtung darüber verläuftnur mit statischem Nachweis für Profil, Glas und VerankerungLastabtrag und Abdichtungsanschluss vor dem Schichtenaufbau festlegen
Klemmprofil seitlich an der Deckenkantekann die horizontale Abdichtungsfläche entlasten, betrifft aber den Randanschlussnur mit nachgewiesener Deckenkante und VerankerungNutzfläche bleibt weitgehend erhalten; Stirnseite muss zugänglich sein
Punkthalter seitlich an der Deckenkantemehrere punktuelle Anschlüsse an der Stirnseitejeder Halter und jede Glasbohrung gehört in den Nachweispräzises Aufmaß vor Bestellung erforderlich
Klemmprofil oben auf massiver Attikadurchdringt oder überlagert die Abdichtung auf der Attikakronenur bei ausreichend tragfähiger Attika und vollständigem NachweisAbdeckung, Entwässerung und Profilanschluss als ein Detail planen
Klemmprofil seitlich an massiver Attikalässt die Attikakrone eher frei, berührt den vertikalen Anschlussnur bei nachgewiesener Attika, Befestigung und RandgeometrieWartungszugang und spätere Erneuerung der Abdichtung mitdenken

GLAS KÜNZL setzt Ganzglasgeländer im durchlaufenden Klemmprofil oder mit runden beziehungsweise eckigen Punkthaltern um. Welche Variante auf deiner Dachterrasse passt, entscheidet die vorhandene Tragkonstruktion. Einen breiteren Überblick gibt der Beitrag Glasgeländer: Aufbau, Glas und Befestigung.

Windlast auf dem Dach

Auf einer frei liegenden Dachterrasse wirkt Wind als Druck und Sog auf die Glasfläche. Gebäudehöhe, Geländergeometrie, Standort und Abschirmung verändern diese Einwirkung. Eine pauschale Aussage wie „seitlich befestigt hält mehr Wind“ ist deshalb fachlich nicht belastbar.

Das Deutsche Institut für Bautechnik trennt bei absturzsichernden Verglasungen zwei Nachweise. Der dynamische Nachweis betrachtet den Anprall; der statische Nachweis betrachtet Einwirkungen wie Wind und Holmlasten. Beide gehören zur Konstruktion. Der Windnachweis umfasst damit die Scheibe, das Profil oder die Halter, die Befestigungsmittel und den tragenden Untergrund.

Die Regeln zur Ermittlung natürlicher Windwirkungen stehen in DIN EN 1991-1-4:2010-12. DIN Media führt den Nationalen Anhang DIN EN 1991-1-4/NA:2024-08 als aktuelle Ausgabe. Die Anlage zur BayTB vom November 2025 nennt in A 1.2.1.2 dagegen noch DIN EN 1991-1-4/NA:2010-12. Aktuelle und bauaufsichtlich eingeführte Ausgabe dürfen deshalb auch beim Windnachweis nicht stillschweigend gleichgesetzt werden. Den projektspezifischen Ansatz klärt die Tragwerksplanung.

Geht es dir um seitlichen Komfortschutz ohne Absturzkante, findest du die Abgrenzung im Beitrag Windschutz für die Terrasse aus Glas. Windschutz und absturzsichernde Umwehrung erfüllen unterschiedliche Aufgaben und brauchen jeweils einen passenden Nachweis.

Welcher Glasaufbau eingesetzt wird

Absturzsicherndes Glas wird nicht über die Dicke allein ausgewählt. Kategorie, Lagerung, Scheibenbreite, Geländerhöhe, Windlast und Holmlast wirken zusammen. Das DIBt nennt Verbundsicherheitsglas als den in der Regel enthaltenen Aufbau, weil die Folie das Bruchverhalten verbessert. Lagerung und Befestigung bleiben ebenso entscheidend.

Im Angebot von GLAS KÜNZL ist VSG aus zwei Scheiben mit je 8 Millimetern eine häufige Ausgangsbasis. Diese Angabe ist keine Freigabe für jede Dachterrasse. Glasart, Einzeldicke, Zwischenlage und Gesamtdicke werden erst nach Kategorie, System und Nachweis festgelegt.

Beim Normstand musst du zwei Ebenen unterscheiden. DIN Media führt DIN 18008-4:2024-12 als aktuelle Ausgabe und als Ersatz für DIN 18008-4:2013-07. Die Anlage zur amtlichen BayTB, Ausgabe November 2025 führt in Bayern unter A 1.2.7.1 weiterhin DIN 18008-4:2013-07 bauaufsichtlich ein. Aktuelle Normausgabe und eingeführte Ausgabe dürfen bei der Planung nicht stillschweigend gleichgesetzt werden. Maßgeblich ist die am Projektort geltende Regelung.

So entsteht ein belastbares Anschlussdetail

Ein klarer Ablauf verhindert, dass Glasbefestigung und Dachaufbau getrennt geplant werden:

  1. Telefonisches Erstgespräch: Du beschreibst Nutzung, Bauphase und Einbausituation unter +49 841 13807799.
  2. Unterlagen sichten: Wir führen Grundriss, Schnitt, Absturzhöhe, Attikamaße und Angaben zum Dachaufbau zusammen.
  3. Schnittstellen klären: Tragwerksplanung und das für die Abdichtung verantwortliche Fachunternehmen legen Lastabtrag und dichten Anschluss fest.
  4. Aufmaß vor Ort: Nach Festlegung der relevanten Schichten nehmen wir die tatsächlichen Maße auf.
  5. Bestellung und Montage: Das Glas kommt fertig konfektioniert vom Produzenten; unser eigenes Montageteam setzt die abgestimmte Konstruktion um.

Mehr zu Planung, Bauarten und Ausführung findest du bei unseren Absturzsicherungen aus Glas.

Häufige Fragen zur Absturzsicherung auf der Dachterrasse

Brauche ich auf jeder Dachterrasse eine Absturzsicherung?

Das lässt sich nicht für jedes Grundstück gleich beantworten. In Bayern regelt Art. 36 BayBO Umwehrungen ausdrücklich auch für Dächer, die zum Aufenthalt von Menschen bestimmt sind. Ob eine vorhandene Attika genügt, hängt von ihrer Höhe, Festigkeit und der konkreten Nutzung ab. In anderen Bundesländern gilt die dortige Bauordnung.

Reicht eine vorhandene Attika aus?

Nur wenn sie als Umwehrung ausreichend hoch und fest ist und alle projektspezifischen Anforderungen erfüllt. Art. 36 Abs. 2 BayBO nennt dafür keine pauschale Zentimeterzahl. Eine niedrige Attika kann als tragfähiger Anschlussbereich dienen und durch eine Glaslösung ergänzt werden. Welche Höhe genügt, wird anhand des vollständigen Landesrechts und der konkreten Planung beurteilt. Tragfähigkeit, Abdichtungsdetail und wirksame Höhe ab fertigem Belag müssen gemeinsam geprüft werden.

Darf die Dachabdichtung durchdrungen werden?

Eine geplante Durchdringung kann fachgerecht ausgeführt werden, braucht aber einen dauerhaft dichten Anschluss an den Dachaufbau. Sie darf nicht erst bei der Montage improvisiert werden. Ob eine aufgesetzte oder seitliche Befestigung die bessere Lösung ist, hängt von Rohdecke, Attika, Schichtenaufbau und Zugänglichkeit ab. Das verantwortliche Fachunternehmen legt das Abdichtungsdetail fest.

Was ändert die Windlast am Glasgeländer?

Wind wirkt auf der Dachterrasse zusätzlich zu Anprall und Holmlast. Dadurch ändern sich Beanspruchungen für Scheibe, Profil oder Punkthalter, Befestigungsmittel und Baukörper. Das DIBt verlangt für absturzsichernde Verglasungen einen statischen und einen dynamischen Nachweis. Eine Glasdicke oder Befestigungsart lässt sich deshalb nicht allein aus der Gebäudehöhe ableiten.

Wer stimmt Glas, Statik und Abdichtung ab?

Die beteiligten Fachbereiche müssen ein gemeinsames Anschlussdetail freigeben. Tragwerksplanung und gegebenenfalls Prüfstellen klären die Nachweise; das für die Abdichtung verantwortliche Fachunternehmen plant den dichten Übergang. GLAS KÜNZL übernimmt Beratung, Aufmaß, Bestellung und Montage der Glaslösung. Im telefonischen Erstgespräch ordnen wir die vorhandenen Unterlagen und benennen fehlende Angaben.

Nächster Schritt

Schick uns einen Grundriss oder Schnitt, Fotos der Dachkante und die vorhandenen Angaben zu Attika, Dachaufbau und Absturzhöhe. Im telefonischen Erstgespräch klären wir, welche Befestigungsrichtung technisch infrage kommt und welche Unterlagen Tragwerksplanung sowie Abdichtungsplanung noch liefern müssen.

→ Telefonisches Erstgespräch unter +49 841 13807799

Wir begleiten Projekte in Ingolstadt und Umkreis, überregional auf Anfrage.

GLAS KÜNZL · Moosmüllerweg 13 · 85055 Ingolstadt · +49 841 13807799

Ludwig Künzl
Ludwig Künzl · GLAS KÜNZL

Glas-Spezialist aus Ingolstadt — alles rund um Glas aus einer Hand.

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