Fallstudie

Absturzsicherung aus Glas für Treppe in Mainburg

Ludwig Künzl
AUTORLudwig Künzl
VERÖFFENTLICHT AM08.08.2026
Blick durch den hellen Flur auf die Holztreppe, die seitlich von einer raumhohen Glasscheibe begrenzt wird
Die Scheibe läuft ohne Stoßfuge von der Decke bis zum Boden durch – dadurch bleibt der Flur optisch offen und das Licht aus dem Treppenhaus kommt ungebremst an.

Herausforderung

Eine junge Familie aus Mainburg hatte ihr Haus gerade bezogen. Der Flur im Obergeschoss war offen geplant, der Treppenlauf lag frei, und genau das war der Reiz des Grundrisses. Dann kam Nachwuchs, das Kind fing an zu krabbeln und steuerte die Treppe an. Von einem Tag auf den anderen war die offene Kante kein Gestaltungsthema mehr, sondern eine Stelle, an der jemand abstürzen konnte. Gleichzeitig wollten die Bauherren keine Konstruktion, die den Flur zerteilt und ihn schmaler wirken lässt, als er ist. Im April 2025 haben wir dort eine raumhohe Glasscheibe eingebaut, die aus einem einzigen Stück gefertigt wurde.

Die Ausgangslage im Obergeschoss: freie Treppenkante ohne jede Sicherung

Der Treppenlauf geht direkt vom Flur ab. Vor dem Umbau gab es an dieser Seite gar nichts — keinen Handlauf, keine Brüstung, keine provisorische Sperre. Für Erwachsene funktioniert das, für ein Kind im Krabbelalter nicht. Die Eltern hatten zwischenzeitlich ein Treppengitter im Blick, wollten aber keine Lösung, die nach zwei Jahren wieder abgeschraubt wird und Löcher hinterlässt.

Ein Stabgeländer oder eine gemauerte Brüstung schied aus. Der Flur lebt von der Sichtachse über die Treppenöffnung hinweg, und jedes senkrechte Element hätte diese Achse zerschnitten. Dazu kam der Anspruch der Bauherren an die Materialien im Haus: Die Oberflächen im Erd- und Obergeschoss sind aufeinander abgestimmt, ein nachträglich montiertes Geländer aus dem Katalog hätte dagegen gearbeitet. Die Aufgabe war also, die Absturzkante vollständig zu schließen und den Raumeindruck unverändert zu lassen.

Lösung

Glasaufbau: VSG aus 2 x 8 mm ESG, weil Resttragfähigkeit hier zählt

Eingebaut ist VSG aus 2 x 8 mm ESG. Zwei vorgespannte Einzelscheiben sind über eine Zwischenfolie dauerhaft zu einer Einheit verbunden. Bricht eine der beiden Scheiben, zerfällt sie in stumpfe Krümel, die an der Folie haften bleiben. Die Scheibe steht weiter und hält die Öffnung geschlossen, bis Ersatz da ist. Genau diese Resttragfähigkeit ist der Grund, warum an absturzsichernden Positionen kein monolithisches ESG verbaut werden darf. Es zerfällt im Bruchfall komplett und gibt die Öffnung schlagartig frei.

Die Glaswahl kommt aus der Konstruktion. DIN 18008 unterscheidet danach, wie die Absturzlast in den Baukörper geleitet wird. Ein freistehendes Ganzglasgeländer, das nur unten in einem Bodenprofil eingespannt ist, trägt die Last allein über die Scheibe und ihre Einspannung; dort verlangt die Norm VSG aus TVG. In Mainburg läuft die Scheibe bis unter die Decke und wird oben in einem Profil geklemmt. Die Last hängt nicht an einer einzelnen Fußeinspannung, und damit ist VSG aus ESG der richtige Aufbau. Wer sich für die Alternative interessiert, findet die punktgehaltene Variante in unserer Fallstudie zur Absturzsicherung mit Punkthaltern in München.

Die 8 mm je Einzelscheibe ergeben sich aus dem Format. Die Scheibe ist groß, sie reicht vom Boden bis zur Decke, und sie muss die Holmlast an der Oberkante aufnehmen, ohne sich spürbar zu verformen. Ein dünnerer Aufbau hätte bei dieser Fläche zu weich reagiert.

Eine Scheibe statt mehrerer Felder: warum das Aufmaß über alles entscheidet

Die gesamte Absturzsicherung besteht aus einem einzigen Glaselement. Es gibt keine Stoßfuge, keine Pfosten, keinen senkrechten Riegel irgendwo in der Mitte. Das war die zentrale Entscheidung in der Planung, und sie verlagert den Aufwand nach vorn.

Wer die Fläche in zwei oder drei Felder teilt, kauft sich Toleranz. Jede Fuge nimmt Maßabweichungen auf, jede Teilscheibe ist leichter und lässt sich einfacher tragen. Nur sieht man diese Fugen später genau dort, wo der Blick durch den Flur läuft. Wir haben deshalb vor Ort aufgemessen und dabei nicht nur Breite und Höhe genommen, sondern auch die Winkligkeit der angrenzenden Bauteile, den Verlauf der Treppenkante und die Fertigmaße von Boden und Decke geprüft.

Der Grund für diesen Aufwand liegt im Material. VSG aus ESG lässt sich nach dem Vorspannen nicht mehr bearbeiten. Es wird nichts nachgeschnitten, nichts nachgebohrt und keine Kante nachgeschliffen. Jeder Millimeter, jede Ecke und der komplette Ausschnitt müssen vor der Fertigung feststehen. Die Scheibe kommt fertig konfektioniert auf die Baustelle, und sie passt oder sie passt nicht. Beratung, Aufmaß und Montage laufen bei uns aus einer Hand, damit zwischen diesen Schritten nichts verloren geht.

Der Ausschnitt für den Treppenlauf und das Klemmprofil an der Decke

Die Scheibe folgt dem Treppenlauf. Statt an der Absturzkante gerade abzuschließen und darunter eine Lücke zu lassen, ist die Kontur im Glas selbst abgebildet: Der Zuschnitt nimmt den schrägen Verlauf der Treppe auf, sodass zwischen Glas und Treppe keine Öffnung bleibt, durch die ein Kind hindurchpasst. Diese Kontur ist Teil der Fertigung, nicht Teil der Montage.

Holztreppe mit raumhoher Glasscheibe, deren Zuschnitt dem schrägen Treppenverlauf bis zur Decke folgt
Die Kontur des Treppenlaufs ist direkt im Glas abgebildet, oben hält ein Klemmprofil an der Decke das Element ohne sichtbare Pfosten.

Gehalten wird das Element oben in einem Klemmprofil, das über die gesamte Länge im Deckenanschluss sitzt. Das Profil verteilt die Klemmkraft gleichmäßig über die Glaskante, statt sie an einzelnen Punkten einzuleiten. Für die Optik hat das den Vorteil, dass an der sichtbaren Fläche nichts stört. Keine Halter, keine Bohrungen, keine aufgesetzte Beschlagteile im Blickfeld.

Die Kanten sind bearbeitet, weil sie im Wohnbereich berührt werden. Eine Absturzsicherung im Flur wird angefasst, Kinder stützen sich daran ab, Möbel werden daran vorbeigetragen. Rohe Schnittkanten haben an so einer Stelle nichts verloren.

Montagetag: Transport ins Obergeschoss und Ausrichten des Elements

Die Montage haben unsere eigenen Monteure gemacht, wie bei allen Projekten. Bei einer Scheibe dieser Größe ist der Weg zur Einbaustelle die eigentliche Arbeit. Das Element musste durch das Haus und über die Treppe ins Obergeschoss, ohne irgendwo anzuschlagen, und im fertig ausgebauten Neubau ist jede Wandkante und jede Oberfläche empfindlich.

Getragen und gesetzt wurde mit Saughebern und mit ausreichend Leuten an der Scheibe. Anschließend wurde das Element in das Klemmprofil eingeführt, ausgerichtet und verkeilt, bis es lotrecht stand und die Kontur am Treppenlauf sauber saß. Erst dann wurde die Klemmung endgültig angezogen. Zwischen dem Einbringen und dem fertig ausgerichteten Element liegt bei so einem Format der größere Teil des Montagetages.

Ergebnis

Ergebnis: gesicherte Treppe, unveränderter Flur

Die Absturzkante ist über die volle Höhe geschlossen, und der Flur wirkt so offen wie vorher. Weil das Glas ohne einzige Fuge auskommt, liest das Auge die Fläche nicht als Wand, sondern als durchgehende Ebene. Der Blick läuft weiter durch den Raum, das Licht aus dem Treppenhaus kommt unverändert im Flur an, und die Materialien im Haus behalten ihre Wirkung, weil ihnen nichts vorgestellt ist.

Für die Familie heißt das im Alltag: Die Treppe ist gesichert, ohne dass jemand ein Gitter auf- und zuklappen muss. Die Lösung bleibt, wenn das Kind größer wird. Optisch beeindruckend ist vor allem das Format — eine Scheibe dieser Größe aus einem Stück sieht man in Wohnhäusern selten.

Wie wir vergleichbare Aufgaben an anderen Positionen lösen, zeigen unsere Ratgeber zum Balkongeländer aus Glas und zum französischen Balkon aus Glas. Draußen kommen Windlast und Witterung dazu, die Anforderung an den Glasaufbau bleibt dieselbe. Einen Überblick über unsere Absturzsicherungen aus Glas findest du auf der Leistungsseite.

Projektfakten

  • Ort: Mainburg
  • Objekt: Privates Wohnhaus, Neubau
  • Leistung: Absturzsicherung im Innenbereich, Treppenöffnung im Flur
  • Glasaufbau: VSG aus 2 x 8 mm ESG
  • Format: großformatige Scheibe, raumhoch, aus einem Stück gefertigt, mit Ausschnitt entlang des Treppenlaufs
  • Befestigung: Klemmprofil im oberen Anschluss
  • Ausführungszeitraum: April 2025
  • Umfang: Beratung, Aufmaß, Fertigung nach Maß und Montage mit eigenen Mitarbeitern

Kontakt & telefonisches Erstgespräch

Wenn bei dir eine Treppenöffnung, eine Galerie oder eine bodentiefe Fensterbrüstung ungesichert ist, klären wir das am schnellsten im Gespräch. Wir fragen nach der Einbausituation, nach dem Untergrund und danach, was oben und unten an die Scheibe anschließt. Daraus ergibt sich, welcher Glasaufbau und welche Halterung in Frage kommen und ob eine einteilige Lösung realistisch ist.

GLAS KÜNZL ist ein Glaserei-Meisterbetrieb aus Ingolstadt und arbeitet bayernweit, bei größeren Projekten auch darüber hinaus. Beratung, Aufmaß, Fertigung nach Maß und Montage kommen aus einer Hand, montiert wird mit eigenen Leuten. Telefonisches Erstgespräch vereinbaren — schick uns vorab gern ein Foto der Stelle, dann sind wir im Gespräch schneller konkret.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet.

Welches Glas ist für eine Absturzsicherung vorgeschrieben?

Verbund-Sicherheitsglas. Zwei Scheiben sind über eine Zwischenfolie verbunden, sodass die Bruchstücke im Schadensfall an der Folie hängen bleiben und die Öffnung geschlossen bleibt. Monolithisches ESG ist an absturzsichernden Positionen nicht zulässig, weil es beim Bruch vollständig zerfällt. Ob VSG aus ESG oder VSG aus TVG eingesetzt wird, hängt von der Konstruktion ab.

Was regelt DIN 18008-4?

Der Teil 4 der Normenreihe behandelt absturzsichernde Verglasungen und ordnet sie nach der Art der Lastabtragung. Bei einem geklemmten Ganzglasgeländer, das die Absturzlast allein über die Scheibe abträgt, ist VSG aus TVG gefordert. Bei punktgehaltenen Konstruktionen oder Geländern mit lastabtragendem Handlauf ist auch VSG aus ESG zulässig. Die Kategorie steht damit vor der Glasbestellung fest.

Worin unterscheiden sich Klemmprofil und Punkthalter?

Ein Klemmprofil fasst die Glaskante über die gesamte Länge und verteilt die Haltekraft gleichmäßig. Punkthalter leiten die Last an einzelnen Stellen ein, dafür sind Bohrungen im Glas nötig. Das Profil kommt ohne Durchdringung der Scheibe aus und wirkt an der Sichtfläche ruhiger, Punkthalter lassen dafür einen sichtbaren Spalt zum Anschlussbauteil zu.

Wird die Absturzsicherung nach Maß gefertigt?

Ja. Jede Scheibe entsteht auf Grundlage eines Aufmaßes vor Ort, inklusive Konturen und Ausschnitten. Das ist zwingend, weil vorgespanntes Glas nach der Produktion nicht mehr geschnitten oder gebohrt werden kann. Nachträgliche Anpassungen auf der Baustelle sind ausgeschlossen.

Kann eine Absturzsicherung aus Glas fugenlos über die ganze Breite laufen?

Das hängt vom Format, vom Gewicht und vom Transportweg zur Einbaustelle ab. In Mainburg war die einteilige Ausführung möglich, weil sich das Element über die Treppe ins Obergeschoss bringen ließ. Wo der Weg zu eng ist, wird geteilt und die Stoßfuge bewusst platziert.

Wie lange dauert so ein Projekt vom Aufmaß bis zur fertigen Montage?

Der Montagetag selbst ist bei einem einteiligen Element überschaubar, davor liegen Aufmaß, Klärung der Konstruktion und die Fertigung der Scheibe. Den realistischen Zeitrahmen für dein Projekt klären wir im Gespräch, sobald die Einbausituation bekannt ist.

Ludwig Künzl
Ludwig Künzl · GLAS KÜNZL

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