Eine krumme Altbauwand verlangt drei getrennte Entscheidungen: Deine Trennwand erhält eine eigene gerade Bezugsachse, das Aufmaß erfasst Lotabweichung und Welligkeit über die gesamte Höhe, und ein abgestimmtes Anschlussdetail nimmt die verbleibende Keilfuge auf. So bleibt das Glas spannungsfrei, während der sichtbare Abschluss ruhig und gleichmäßig wirkt.
Was eine Keilfuge verursacht
Eine raumhohe Glastrennwand steht lotrecht und in einer definierten Ebene. Deine alte Wand kann dagegen aus dem Lot laufen, in der Fläche wellig sein oder ihre Richtung im Grundriss ändern. Treffen beide Geometrien aufeinander, wird die Anschlussfuge oben breiter als unten oder umgekehrt. Dieser Verlauf heißt Keilfuge.
Die Abweichungen messen wir getrennt. Eine gleichmäßige Schrägstellung lässt sich anders lösen als eine einzelne Putzwelle. Hinzu kommen der tragfähige Untergrund, angrenzende Sockelleisten und die Frage, ob direkt neben dem Wandanschluss eine Tür sitzt.
Ein Rechenbeispiel macht die Geometrie sichtbar. Weicht eine Wand über 2.800 Millimeter Höhe um 18 Millimeter vom Lot ab, verändert sich die Anschlussbreite zwischen Boden und Decke ebenfalls um 18 Millimeter. Diese Differenz verschwindet nicht durch eine mittlere Breitenangabe. Sie muss im Detail aus Profil, passgenauem Randfeld, Abdeckung oder vorbereitetem Untergrund aufgenommen werden.
Gerade Achse trotz krummer Wand
Die Planungsgrundlage ist die Achse deiner neuen Trennwand. Wir legen sie mit Laser oder Schnur unabhängig von der Bestandswand fest und messen erst danach den Abstand zwischen dieser geraden Achse und der vorhandenen Wand.
Für ein belastbares Aufmaß reichen zwei Werte oben und unten selten aus. Wir erfassen die Wand mindestens an fünf Höhen, etwa bei 0, 25, 50, 75 und 100 Prozent der Anschlusshöhe. Sichtbare Beulen, Hohlstellen und Richtungswechsel bekommen zusätzliche Messpunkte. Außerdem prüfen wir die Wand von beiden Seiten, weil eine Oberfläche in der Ansicht gerade erscheinen und dennoch aus der Trennwandebene drehen kann.
Die DIN 18202:2019-07 behandelt Maß-, Winkel-, Ebenheits- und Fluchtabweichungen im Hochbau. DIN Media nennt in der Änderungsbeschreibung ausdrücklich auch Fugen als Mittel für den Passungsausgleich an Fügestellen. Daraus folgt für dein Anschlussdetail keine pauschale Fugenbreite. Die gemessene Geometrie und das gewählte System gehören zusammen betrachtet.
Sechs typische Fälle an der Wand
| Was wir vorfinden | Was es für den Anschluss bedeutet | Geeigneter Planungsansatz |
|---|---|---|
| Gleichmäßige Lotabweichung | Es entsteht eine berechenbare Keilfuge über die Höhe | Randfeld oder Anschlussbauteil auf die Schräge abstimmen |
| Lokale Putzwelle | Die Fugenbreite ändert sich nur in einem Teilbereich | Hochpunkte gesondert messen; Oberfläche lokal vorbereiten oder Abdeckung planen |
| Wand dreht im Grundriss | Profil und Wand liegen nicht durchgehend in derselben Ebene | Anschluss von beiden Raumseiten aufnehmen und als räumliches Detail planen |
| Sockel steht vor | Das Wandprofil kann nicht bis zum fertigen Boden durchlaufen | Sockel vor dem Aufmaß klären, ausklinken oder sauber an das Profil führen |
| Putz ist nicht tragfähig | Eine optisch geschlossene Fuge ersetzt keine Befestigung | Tragfähigen Untergrund freilegen oder eine geeignete Unterkonstruktion vorsehen |
| Tür sitzt am Rand | Lotabweichungen würden die Türfugen und den Lauf beeinflussen | Toleranzausgleich in ein festes Randfeld verlegen; Türblatt lotrecht halten |
Diese Aufnahme trennt Geometrie, Befestigung und sichtbaren Abschluss. Eine breite Dichtstofffuge kann eine unklare Unterkonstruktion nicht kompensieren. Umgekehrt löst ein tragfähiger Anschluss noch nicht automatisch die optische Linie.
Wie viel das Profil überhaupt schlucken kann
Die Grenze für den Toleranzausgleich im Profil ist keine Geschmacksfrage, sie ergibt sich aus dem Glasfalz. Die Verglasungsrichtlinie des Bundesverbands Flachglas formuliert die Anforderung so: Glasfalz und Glashalteleisten müssen ausreichend dimensioniert sein, um die Kanten des Glases zu überdecken, damit die auftretenden Lasten sicher abgetragen werden können und darüber hinaus die zulässigen Toleranzen ausgeglichen werden.
Für den Glaseinstand nennt dieselbe Quelle einen Regelwert: Er soll in der Regel mindestens zwei Drittel der Glasfalzhöhe betragen und 20 Millimeter in der Konstruktion nicht überschreiten, damit die thermische Belastung gering bleibt. Für den Glasfalzgrund gibt sie eine Empfehlung von mindestens 5 Millimetern an, und sie verweist für Glasfalz, Glaseinstand und Dichtstoffauswahl auf DIN 18545 sowie DIN EN 15651-2 und DIN EN 12488.
Neben den Anforderungen an einen Mindestglaseinstand nach DIN 18545 ruft die Richtlinie zusätzlich DIN 18008-2 auf: Dort sind ein Mindestglaseinstand von 10 Millimetern und eine Mindestauflagebreite von 5 Millimetern vorgeschrieben. Die geforderten 5 Millimeter Auflagebreite sind nicht mit dem Glasfalzgrund zu verwechseln; die Richtlinie führt beide Maße getrennt. Bei kleinen Falzhöhen ist die absolute Untergrenze die schärfere: Die Falzhöhentabelle der Richtlinie, die sich auf DIN 18545:2015-07 stützt, lässt bei Einfachglas mit einer längsten Seite bis 1.000 Millimeter eine Glasfalzhöhe von 10 Millimetern zu — zwei Drittel davon wären nur 6,7 Millimeter und lägen unter den geforderten 10 Millimetern. DIN 18545 ist inzwischen in der Ausgabe 2022-01 erschienen; für dein Projekt prüfen wir die Falzhöhen deshalb gegen die aktuelle Ausgabe. Lässt sich eines der beiden Maße nicht einhalten, ist nach der Richtlinie die Verformung nach DIN 18008 auf l/100 zu begrenzen; von den genannten Anforderungen darf im Einzelfall in Absprache mit dem Isolierglashersteller abgewichen werden.
Daraus folgt die eigentliche Rechnung an deiner Wand: Was ein Profil an Schräge verdecken kann, ist der Anteil, der übrig bleibt, ohne den erforderlichen Einstand zu unterschreiten. Diesen Wert gleichen wir vor der Fertigung mit den technischen Angaben des eingesetzten Profilsystems ab. Eine pauschale Millimeterangabe für alle Systeme gibt es nicht, und wir übertragen sie auch nicht von einem Profil auf ein anderes.
Fünf Wege zum sauberen Anschluss
1. Randfeld nach Geometrie fertigen
Bei einer gleichmäßigen Lotabweichung kann das feste Randfeld die Schräge aufnehmen. Für feste Felder planen wir überwiegend 12 Millimeter VSG. Die Glaskontur für die Fertigung entsteht aus dem örtlichen Aufmaß. Das fertige Sicherheitsglas wird auf der Baustelle nicht nachgeschnitten oder nachgebohrt.
Die Glasform allein schließt die Anschlussfuge noch nicht. Kanteneinstand, Lagerung, Profilgeometrie und Montageweg müssen zusammenpassen. Die Verglasungsrichtlinie verlangt dafür ausreichend tragfähig bemessene Profile und Glasauflager, einen dauerhaft funktionsfähigen Druckausgleich vom Glasfalz nach außen, eine dauerhaft funktionsfähige Ableitung von Feuchtigkeit im Glasfalz und dauerhaft vermiedenen Kontakt zwischen Metall und Glas.
2. Reserve im Wandprofil nutzen
Ein Wandprofil kann einen begrenzten Teil der Abweichung innerhalb seiner Aufnahme verdecken. Entscheidend ist die nutzbare Reserve deines konkreten Systems. Sie darf weder geschätzt noch aus einem anderen Profil übertragen werden. Vor der Fertigung gleichen wir Einstand, erforderliche Lagerung und sichtbare Restfuge mit den technischen Angaben des Profilsystems ab.
3. Passstück oder Abdeckung ergänzen
Bei stärkerer Welligkeit bleibt ein gerades Profil die ruhige Bezugslinie. Ein maßgefertigtes Passstück oder eine Abdeckung überbrückt den wechselnden Abstand zur Bestandswand. Diese Lösung kann eine unruhige Putzkante optisch ordnen, ohne die Trennwand aus dem Lot zu ziehen. Material, Breite und Oberfläche stimmen wir auf das Profilsystem ab.
4. Elastische Fuge einplanen
Eine elastische Anschlussfuge schließt den verbleibenden Spalt und kann geringe Bewegungen zwischen Ausbau und Bestand aufnehmen. Sie ist weder Auflager noch Befestigung. Ihre Geometrie muss zum verwendeten Dichtstoff passen; eine beliebig breite, dreiseitig haftende Füllung ist kein belastbares Anschlussdetail.
Für den Schallschutz zählt die durchgängige Ausführung. Unterbrechungen an Sockel, Decke oder Profilstoß lassen Luftschall passieren. Deshalb planen wir die Fuge über die gesamte Anschlusshöhe und leiten sie nicht erst bei der Montage aus dem Restspalt ab.
5. Bestandswand lokal vorbereiten
Überschreitet die Abweichung die technisch und gestalterisch sinnvolle Reserve, wird der Anschlussbereich vor dem finalen Aufmaß begradigt. Das kann ein neu aufgebauter Laibungsstreifen oder eine separate, lotrechte Anschlussfläche sein. Die neue Fläche braucht ausreichende Festigkeit für die vorgesehene Befestigung. Erst nach Abschluss dieser Vorleistung nehmen wir die endgültigen Glas- und Profilmaße.
Die Tür braucht eine eigene Ebene
Eine Tür direkt an einer krummen Wand verschärft das Detail. Das Türblatt muss rechteckig und lotrecht bleiben, damit Bänder, Schloss und Dichtungen über den gesamten Lauf funktionieren. Die Wandabweichung gehört deshalb in ein festes Randfeld oder ein separates Anschlussbauteil.
Für bewegliche Elemente setzen wir ESG ein. Die Bearbeitungen für Bänder, Schloss und Griff legen wir vor dem Vorspannen fest. Einen Aufmaßfehler kannst du später nicht durch ein zusätzliches Bohrloch korrigieren. Auch die Fugen am Türblatt sind keine Reserve für einen schiefen Baukörper.
Vom Erstgespräch zur Montage
- Im telefonischen Erstgespräch unter +49 841 13807799 klären wir Raumhöhe, Wandaufbau, gewünschte Trennwand und die Lage einer möglichen Tür.
- Fotos und eine grobe Skizze von dir helfen, erkennbare Lotabweichungen, Sockel und angrenzende Bauteile vorab einzuordnen.
- Beim Aufmaß vor Ort legen wir die Trennwandachse fest und messen Wand, Boden und Decke entlang definierter Messlinien.
- Danach legen wir fest, welcher Anteil über Randfeld, Profil, Passstück, Fuge oder eine vorbereitete Anschlussfläche aufgenommen wird.
- Erst mit freigegebenem Detail gehen Glas und Profile in die Fertigung.
- Unser eigenes Montageteam richtet die Konstruktion in ihrer Bezugsachse aus, befestigt sie im tragfähigen Untergrund und schließt die Fugen durchgängig.
- Zum Abschluss prüfen wir Sitz, Glaslagerung, Anschlussbild und bei Türen den vollständigen Lauf.
Unsere Raumtrennungen aus Glas zeigen Dir die möglichen Bauarten. Den allgemeinen Zusammenhang zwischen Aufmaß, Fertigung und Einbau erklärt der Beitrag Glastrennwand montieren.
Häufige Fragen
Kann eine Glastrennwand an jede schiefe Altbauwand angeschlossen werden?
Meist lässt sich ein passender Anschluss planen. Vor der Fertigung müssen jedoch Geometrie und Tragfähigkeit feststehen. Eine lotrechte Trennwand kann über ein angepasstes Randfeld, ein geeignetes Wandprofil, ein Passstück oder eine vorbereitete Anschlussfläche an den Bestand geführt werden. Bröselnder Putz allein ist kein tragfähiger Befestigungsgrund.
Wie breit darf eine Keilfuge sein?
Eine allgemeine Millimetergrenze wäre fachlich falsch. Die zulässige Breite hängt vom Profilsystem, vom Glaseinstand, von der Befestigung, vom Dichtstoff und vom gewünschten Anschlussbild ab. Das Aufmaß liefert den Fugenverlauf; die technischen Angaben des Profilsystems bestimmen, welcher Anteil im Profil aufgenommen werden kann. Größere Abweichungen brauchen ein Passstück oder eine vorbereitete Anschlussfläche.
Wie viel Glas muss im Profil stecken bleiben?
Die Verglasungsrichtlinie des Bundesverbands Flachglas nennt als Regelwert einen Glaseinstand von mindestens zwei Dritteln der Glasfalzhöhe, der 20 mm in der Konstruktion nicht überschreiten soll, damit die thermische Belastung gering bleibt. Für den Glasfalzgrund empfiehlt sie mindestens 5 mm. Zusätzlich gelten die Anforderungen der DIN 18008-2 mit mindestens 10 mm Glaseinstand und 5 mm Auflagebreite; lässt sich das nicht einhalten, ist die Verformung nach DIN 18008 auf l/100 zu begrenzen. Dieser Einstand muss auch nach dem Toleranzausgleich noch vorhanden sein, deshalb ist er die Grenze für das, was ein Profil verdecken kann.
Kann das Glas auf der Baustelle an die Wand angepasst werden?
Die fertig konfektionierte Scheibe wird vor Ort nicht zugeschnitten, geschliffen oder nachgebohrt. Kontur, Kanten und Bearbeitungen leiten wir vor der Fertigung aus dem Aufmaß ab. Bei festen Feldern wird die Schräge deshalb rechtzeitig in der Glaskontur oder im Anschlussbauteil berücksichtigt.
Reicht Silikon zum Toleranzausgleich aus?
Eine elastische Fuge kann den verbleibenden Spalt schließen und geringe Bewegungen aufnehmen. Sie trägt das Glas nicht und ersetzt keine Befestigung im tragfähigen Untergrund. Bei stark wechselnder Fugenbreite wird zuerst das konstruktive Detail gelöst; der Dichtstoff bildet anschließend den Abschluss.
Was passiert bei einer Tür direkt neben der krummen Wand?
Die Tür bleibt rechteckig und lotrecht. Den Toleranzausgleich verlegen wir in ein festes Randfeld oder ein separates Anschlussbauteil, damit Bänder, Schloss und Dichtungen nicht durch die Wandgeometrie beeinflusst werden. Die genaue Aufteilung entsteht beim Aufmaß.
Wann wird im Altbau endgültig aufgemessen?
Das telefonische Erstgespräch steht am Anfang. Das endgültige Aufmaß folgt, wenn die anschließenden Wand-, Boden- und Deckenflächen ihren vereinbarten Endzustand erreicht haben. Soll eine lotrechte Anschlussfläche neu aufgebaut werden, muss sie vorher fertig und tragfähig sein.
Kontakt & telefonisches Erstgespräch
Du planst eine Glas- oder Loft-Trennwand in einem Bestandsgebäude? Ruf uns an: Im telefonischen Erstgespräch unter +49 841 13807799 klären wir, welche Informationen für Aufmaß und Wandanschluss fehlen. Fotos und Eckdaten schickst Du uns anschließend über das Kontaktformular.
GLAS KÜNZL · Moosmüllerweg 13 · 85055 Ingolstadt · +49 841 13807799
Belege
- DIN Media: DIN 18202:2019-07, Toleranzen im Hochbau – Bauwerke
https://www.dinmedia.de/de/norm/din-18202/307314612
- Bundesverband Flachglas: BF-Richtlinie 022/2018, Änderungsindex 1 – Februar 2020, Verglasungsrichtlinie, Abschnitt 3.2 „Anforderungen an den Glasfalz" mit Abbildung 2 und Tabelle 1
https://www.bundesverband-flachglas.de/wp-content/uploads/simple-file-list/bf-merkblaetter/BF-Merkblatt_022-2018_AEI1_02-2020_Verglasungsrichtlinie.pdf
- DIN Media: DIN 18008-2:2020-05, Glas im Bauwesen – Bemessungs- und Konstruktionsregeln – Teil 2: Linienförmig gelagerte Verglasungen
https://www.dinmedia.de/de/norm/din-18008-2/312360009
- DIN Media: DIN 18545:2022-01, Abdichten von Verglasungen mit Dichtstoffen – Anforderungen an Glasfalze und Verglasungssysteme (ersetzt die in der BF-Richtlinie zitierte Ausgabe 2015-07)
https://www.dinmedia.de/de/norm/din-18545/347292888
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