Ratgeber

DIN 18008-2: was für linienförmig gelagerte Verglasungen gilt

Ludwig Künzl
AUTORLudwig Künzl
VERÖFFENTLICHT AM25.08.2026
Zwei weiße Fensterelemente in beiger Putzfassade, davor je eine niedrige Glasbrüstung
Die vorgesetzten Glasbrüstungen sind seitlich in Profilen gefasst und damit an zwei gegenüberliegenden Rändern linienförmig gelagert – genau der Fall, den Teil 2 abdeckt.

DIN 18008-2 gilt in Verbindung mit DIN 18008-1 für Verglasungen, die an mindestens zwei Seiten mit mechanischen Verbindungsmitteln gelagert sind, sowie für Vertikalverglasungen mit durchgehend linienförmiger Lagerung und ausreichender Einspanntiefe. Die Einordnung entscheidet, welcher Teil der Normenreihe deine Wand bemisst.

Wofür Teil 2 zuständig ist und wofür nicht

Der vollständige Titel lautet „Glas im Bauwesen - Bemessungs- und Konstruktionsregeln - Teil 2: Linienförmig gelagerte Verglasungen". Die aktuelle Ausgabe trägt das Datum 2020-05, umfasst 16 Seiten und ersetzt DIN 18008-2:2010-12 sowie DIN 18008-2 Berichtigung 1:2011-04.

Wichtig ist der erste Halbsatz des Anwendungsbereichs. Teil 2 gilt in Verbindung mit DIN 18008-1. Die Grundlagen der Bemessung stehen also nicht in Teil 2 selbst, und wer nur Teil 2 kauft, hat die Regeln unvollständig. Was die Normenreihe insgesamt abdeckt und wie ihre Teile zueinander stehen, erklärt unser Beitrag darüber, was die Normenreihe DIN 18008 insgesamt regelt.

Ebenso klar ist die Abgrenzung nach oben. Verglasungen mit zusätzlichen punktförmigen Halterungen, zum Beispiel durch Randklemmhalter und/oder durch Glasbohrungen geführte Halterungen, werden in DIN 18008-3 geregelt. Und für Verglasungen, die betreten, begangen oder befahren werden, die als Absturzsicherung oder Abschrankung dienen oder unter planmäßiger Flüssigkeitslast stehen, sind nach demselben Anwendungsbereich weitere Anforderungen zu berücksichtigen.

Damit ist der Zuschnitt von Teil 2 beschrieben. Alles Weitere steht im Normtext selbst. Dieser Text ist kostenpflichtig, deshalb enthält dieser Beitrag daraus weder Zahlen noch Abschnittsverweise.

Was linienförmig gelagert konstruktiv bedeutet

Der Anwendungsbereich nennt zwei Fälle, und zwar mit einem echten Oder dazwischen. Es genügt, wenn einer der beiden vorliegt.

Der erste Fall ist die Lagerung an mindestens zwei Seiten mit mechanischen Verbindungsmitteln. Der Anwendungsbereich nennt dafür ausdrücklich verschraubte Pressleisten und Glasleisten als Beispiele. Die Last wird hier über eine durchgehende Linie in die Unterkonstruktion geführt.

Der zweite Fall betrifft ausschließlich Vertikalverglasungen. Sie fallen auch dann unter Teil 2, wenn sie an mindestens einer Seite mit ausreichender Einspanntiefe zur Sicherstellung einer Einspannung durchgehend linienförmig gelagert sind. Gemeint ist die klassische bodenseitige Einspannung im Klemmprofil, bei der die Scheibe oben frei steht.

Der Gegenpol dazu ist die punktförmige Halterung. Sobald Klemmhalter am Rand oder Halterungen durch Bohrungen im Glas hinzukommen, verlässt die Konstruktion den Anwendungsbereich von Teil 2 und landet bei Teil 3. Für die Planung heißt das, dass eine Beschlagentscheidung die zuständige Norm verändern kann.

Vertikal oder geneigt: woran die Zuordnung hängt

Der Anwendungsbereich von Teil 2 nennt Vertikalverglasungen ausdrücklich, und der Änderungsvermerk der Ausgabe 2020-05 hält fest, dass genau dieser Anwendungsbereich für Vertikalverglasungen auf eingespannte Lagerungen erweitert wurde. Die Ausgabe 2010-12 kannte diesen Fall so noch nicht.

Wo genau die Grenze zwischen einer vertikalen und einer geneigten Verglasung verläuft, steht im kostenpflichtigen Normtext. Dieser Beitrag gibt dazu keine Gradzahl an, weil sie sich aus keiner frei zugänglichen amtlichen Quelle belegen lässt. Eine Zahl aus zweiter Hand wäre im Nachweis wertlos.

Belastbar ist die Logik dahinter. Bei einer senkrecht stehenden Scheibe wirkt das Eigengewicht in der Scheibenebene und wird über die Lagerung nach unten abgetragen. Wird die Scheibe geneigt eingebaut, wirkt ein Anteil des Eigengewichts quer zur Scheibenebene und beansprucht sie auf Biegung. Deshalb behandelt die Normenreihe geneigte und horizontale Einbaulagen anders als vertikale.

Für dein Projekt folgt daraus eine einfache Reihenfolge. Zuerst steht die Einbaulage fest, dann die Lagerungsart, dann die Frage nach zusätzlichen Nutzungen wie Absturzsicherung oder Abschrankung. Erst danach ist klar, welcher Teil der Normenreihe die Bemessung trägt und welche Nachweise gebraucht werden.

Wie technische Regeln bauaufsichtlich verbindlich werden

Eine Norm gilt nicht schon deshalb, weil es sie gibt. Nach dem DIBt regeln die Landesbauordnungen die allgemeinen Anforderungen an bauliche Anlagen und die Verwendung von Bauprodukten. Bei Bedarf werden diese allgemeinen Vorgaben durch Technische Baubestimmungen konkretisiert. Das DIBt veröffentlicht im Auftrag der Länder die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen, kurz MVV TB, und diese dient als Grundlage für die Umsetzung in Landesrecht.

Verbindlich wird eine technische Regel damit immer über das Landesrecht. Welche Regeln in deinem Bundesland in welcher Fassung eingeführt sind, ergibt sich aus der dort geltenden Verwaltungsvorschrift. Diese Quelle belegt die Systematik; sie sagt nichts über den Einführungsstand einer einzelnen Norm aus, und dieser Beitrag behauptet das auch nicht.

Praktisch heißt das für die Ausschreibung, dass zwei Angaben zusammengehören. Die Norm mit ihrem Ausgabestand und der Nachweis, dass die geplante Konstruktion in ihren Anwendungsbereich fällt.

Was das für die Glastrennwand im Objekt heißt

Eine raumhohe Trennwandanlage liegt fast immer im Anwendungsbereich von Teil 2, solange sie in Profilen gefasst oder bodenseitig eingespannt ist. Sie verlässt ihn, sobald punktförmige Halterungen hinzukommen oder sobald sie eine Zusatzfunktion übernimmt.

  • Umlaufend in Klemmleisten gefasste Felder liegen im ersten Fall des Anwendungsbereichs.
  • Bodenseitig eingespannte Felder mit freier Oberkante liegen im zweiten Fall.
  • Felder mit Randklemmhaltern oder Bohrungen führen zu DIN 18008-3.
  • Felder, die als Absturzsicherung oder Abschrankung dienen, brauchen nach dem Anwendungsbereich weitere Anforderungen.
  • Felder, die betreten, begangen oder befahren werden, ebenfalls.
  • Türfelder mit Beschlägen sind konstruktiv gesondert zu betrachten, weil sich Lagerung und Krafteinleitung ändern.

Welche Anforderungen an Bruch- und Verletzungsschutz daneben aus der Einbausituation folgen, ordnet unser Beitrag darüber ein, welche Sicherheitsanforderungen an Glasflächen im Objekt gelten.

Was der Planer festlegen muss, bevor bemessen wird

Die folgenden Festlegungen gehören in die Planung, bevor ein Nachweis beauftragt wird. Ohne sie lässt sich nicht einmal sagen, welcher Teil der Normenreihe anzuwenden ist.

FestlegungWer liefert sieGrundlage dieser Zeile
Lagerungsart je FeldFachplanung zusammen mit dem ausführenden BetriebAnwendungsbereich DIN 18008-2 unterscheidet mechanische Verbindungsmittel und Einspannung
Einbaulage vertikal oder geneigtArchitektur und FachplanungTeil 2 nennt Vertikalverglasungen ausdrücklich in seinem Anwendungsbereich
Punktförmige Halterungen ja oder neinFachplanung mit der BeschlagauswahlPunktförmige Halterungen sind dem Anwendungsbereich von DIN 18008-3 zugewiesen
Nutzung als Absturzsicherung oder AbschrankungArchitektur und NutzungskonzeptAnwendungsbereich verlangt für diesen Fall weitere Anforderungen
Betreten, Begehen oder BefahrenNutzungskonzeptAnwendungsbereich verlangt auch dafür weitere Anforderungen
Ausgabestand im VertragVergabestelleDIN 18008-2:2020-05 ersetzt die Ausgabe 2010-12 und die Berichtigung 1:2011-04
Landesrechtliche EinführungBauherr und PlanungMVV TB des DIBt dient als Grundlage für die Umsetzung in Landesrecht

Häufige Fragen

Wofür gilt DIN 18008-2?

DIN 18008-2 gilt nach ihrem Anwendungsbereich in Verbindung mit DIN 18008-1 für Verglasungen, die entweder an mindestens zwei Seiten mit mechanischen Verbindungsmitteln wie verschraubten Pressleisten oder Glasleisten gelagert sind, oder für Vertikalverglasungen, die an mindestens einer Seite mit ausreichender Einspanntiefe zur Sicherstellung einer Einspannung durchgehend linienförmig gelagert sind. Es genügt, wenn einer der beiden Fälle vorliegt.

Was bedeutet linienförmig gelagert?

Linienförmig gelagert heißt, dass die Scheibe ihre Last über eine durchgehende Linie an die Unterkonstruktion abgibt. Der Anwendungsbereich von DIN 18008-2 nennt dafür verschraubte Pressleisten und Glasleisten als Beispiele für mechanische Verbindungsmittel. Als zweite Variante erfasst er Vertikalverglasungen, die an mindestens einer Seite mit ausreichender Einspanntiefe zur Sicherstellung einer Einspannung durchgehend linienförmig gelagert sind.

Wann greift stattdessen DIN 18008-3?

Sobald zusätzliche punktförmige Halterungen vorhanden sind. Der Anwendungsbereich von DIN 18008-2 weist Verglasungen mit zusätzlichen punktförmigen Halterungen, zum Beispiel durch Randklemmhalter und/oder durch Glasbohrungen geführte Halterungen, ausdrücklich DIN 18008-3 zu. Eine Beschlagentscheidung in der Planung kann damit die zuständige Norm wechseln lassen.

Welche Ausgabe von DIN 18008-2 ist aktuell?

Die Ausgabe 2020-05 mit 16 Seiten. Sie ersetzt DIN 18008-2:2010-12 sowie DIN 18008-2 Berichtigung 1:2011-04. Der Änderungsvermerk hält unter anderem fest, dass der Anwendungsbereich für Vertikalverglasungen auf eingespannte Lagerungen erweitert wurde. Wer in einem Vertrag noch die alte Ausgabe stehen hat, sollte den Verweis vor der Vergabe prüfen.

Gilt DIN 18008-2 auch für eine Glastrennwand im Büro?

Das hängt an der Konstruktion. Eine raumhohe Trennwand, deren Felder umlaufend in Klemmleisten gefasst oder bodenseitig mit ausreichender Einspanntiefe eingespannt sind, liegt im Anwendungsbereich von Teil 2. Kommen Randklemmhalter oder Bohrungen hinzu, ist Teil 3 zuständig. Dient die Wand als Absturzsicherung oder Abschrankung, sind nach dem Anwendungsbereich weitere Anforderungen zu berücksichtigen.

Wie wird eine technische Regel bauaufsichtlich verbindlich?

Über das Landesrecht. Nach dem DIBt regeln die Landesbauordnungen die allgemeinen Anforderungen an bauliche Anlagen und die Verwendung von Bauprodukten; bei Bedarf werden diese Vorgaben durch Technische Baubestimmungen konkretisiert. Das DIBt veröffentlicht im Auftrag der Länder die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen, die als Grundlage für die Umsetzung in Landesrecht dient. Welche Regeln in welcher Fassung gelten, ergibt sich damit aus der jeweiligen Landesfassung.

Kontakt & telefonisches Erstgespräch

Wenn du eine Trennwandanlage planst, klären wir die Lagerungsart, die Einbaulage und die Zusatzfunktionen vor der Bemessung mit dir und deinem Tragwerksplaner. Das spart eine Runde im Nachweis und verhindert, dass eine Beschlagentscheidung die Statik wieder aufmacht. Der schnellste Weg dorthin ist unser Kontaktformular. Wir melden uns zum telefonischen Erstgespräch unter +49 841 13807799. Womit wir Räume mit Glas trennen, siehst du bei Glastrennwände von GLAS KÜNZL.

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Ludwig Künzl
Ludwig Künzl · GLAS KÜNZL

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