Eine Glas-Trennwand bringt Licht und Weite in den Raum – aber sobald es um Fluchtwege oder Brandabschnitte geht, reicht klares Glas allein nicht mehr. Dann kommt Brandschutzglas ins Spiel. Hier erfährst du, wann eine Glas-Trennwand wirklich Brandschutz braucht, was die Klassen bedeuten und wo die Grenzen im Bestand liegen – ehrlich und ohne Fachchinesisch.
Wann eine Glas-Trennwand Brandschutz braucht
Nicht jede Trennwand muss brandschutzgeprüft sein. Entscheidend ist, welche Funktion die Wand im Gebäude übernimmt:
- Flucht- und Rettungswege: Trennt deine Glaswand einen Flur ab, der im Brandfall als Fluchtweg dient, schreibt der Brandschutz oft eine geprüfte Verglasung vor.
- Brandabschnitte: In größeren Büros oder Gewerbeeinheiten werden Flächen in Abschnitte unterteilt, damit sich Feuer und Rauch nicht ungehindert ausbreiten. Eine Glaswand an dieser Grenze muss den Abschnitt halten.
- Behördliche Vorgaben: Was konkret nötig ist, steht im Brandschutzkonzept des Gebäudes. Im Zweifel gibt diese Vorgabe den Ausschlag – nicht der Wunsch nach möglichst viel Glas.
Im privaten Wohnbereich ist Brandschutzglas selten Pflicht. Sobald es aber gewerblich wird oder das Bauamt es verlangt, lohnt der genaue Blick.
Brandschutzklassen verständlich erklärt
Brandschutzglas wird in Klassen eingeteilt. Die Buchstaben und Zahlen wirken kryptisch, dahinter steckt aber eine einfache Logik.
Was EI30, EI60 und Co. bedeuten
Die gängige Kennzeichnung nach europäischer Norm besteht aus Buchstaben und einer Minutenzahl:
- E steht für *Raumabschluss*: Die Wand hält Flammen und Rauch zurück.
- I steht für *Wärmedämmung*: Die dem Feuer abgewandte Seite bleibt kühl, du kannst dort gefahrlos vorbei.
- Die Zahl ist die Zeit in Minuten – EI30 hält also mindestens 30 Minuten dicht und kühl, EI90 entsprechend 90 Minuten.
Diese Minuten sind kein Marketing, sondern Prüfwerte. Sie verschaffen den Menschen im Gebäude Zeit, sicher nach draußen zu kommen.
Flammenschutz oder auch Wärmeschutz?
Es gibt Verglasungen, die zwar Flammen und Rauch zurückhalten (Raumabschluss), die Hitzestrahlung aber durchlassen. Solche Gläser werden mit EW gekennzeichnet – sinnvoll dort, wo niemand direkt an der Scheibe vorbei muss. Geht es um einen Fluchtweg, an dem Menschen entlanggehen, ist meist die volle Wärmedämmung (EI) gefragt. Welche Klasse passt, ergibt sich aus dem Brandschutzkonzept.
Rauchschutz ist nicht gleich Brandschutz
Ein häufiges Missverständnis: Rauchschutz und Brandschutz sind zwei verschiedene Dinge. Eine Rauchschutz-Lösung hält Rauch zurück, ersetzt aber keine brandschutzgeprüfte Wand. Umgekehrt bringt eine Brandschutzwand zusätzlich definierten Rauchschutz mit. Wichtig ist, dass beides zum Konzept passt – das klären wir vor der Planung.
G, F oder EI? Warum es zwei Schreibweisen gibt
Bis hierher haben wir mit den EI-Kürzeln gearbeitet – das ist die heute gültige europäische Kennzeichnung nach EN 13501. In der Praxis, vor allem in älteren Bestandsunterlagen und Brandschutzkonzepten, begegnet dir aber noch eine zweite, ältere Schreibweise nach DIN 4102: die Klassen G und F. Beide beschreiben dieselben Schutzziele, nur mit anderen Buchstaben. Wer das einmal sortiert hat, liest jede Anforderung im Konzept richtig.
G30, F30, F90 – was die alten Kürzel meinen
- F-Klassen (F30, F60, F90): raumabschließend und wärmedämmend. Die Wand hält Flammen und Rauch zurück und bleibt auf der vom Feuer abgewandten Seite kühl – also dasselbe Schutzziel wie EI. F30 gilt als feuerhemmend, F90 als feuerbeständig.
- G-Klassen (G30, G60, G90): raumabschließend, aber ohne Wärmedämmung. Flammen und Rauch bleiben zurück, die Hitzestrahlung geht durch die Scheibe hindurch. Das entspricht der E-/EW-Familie nach EN 13501.
Die Brücke zwischen den Normen ist damit kurz: F entspricht EI (mit Wärmedämmung), G entspricht E/EW (ohne volle Wärmedämmung). Die Minutenzahl bedeutet in beiden Welten dasselbe – eine geprüfte Widerstandsdauer, kein Marketingwert. Brandschutzglas ist dabei ein eigener Glasaufbau und hat mit klassischem Sicherheitsglas wenig gemein; den Unterschied zwischen ESG und VSG erklären wir separat.
Wann reicht G – und wann muss es F/EI sein?
Die entscheidende Frage ist selten „30 oder 90 Minuten", sondern: Geht dort jemand dicht an der Scheibe vorbei? G-Verglasung lässt Wärmestrahlung durch – wer im Brandfall direkt daran entlangflüchtet, wäre dieser Strahlung ausgesetzt.
- Flucht- und Rettungswege, notwendige Flure: Hier bewegen sich Menschen direkt an der Wand entlang. Deshalb ist in aller Regel die wärmedämmende Variante (EI bzw. F) gefragt – typischerweise EI30/F30. Die kühle Oberfläche ist hier kein Komfort, sondern Teil des Fluchtweg-Schutzes.
- Brandabschnitte und Brandwände: Wo zwei Nutzungseinheiten oder Brandabschnitte getrennt werden, steigen die Anforderungen – bis hin zu EI90/F90. Solche Wände sollen ein Feuer über lange Zeit in einem Abschnitt halten.
- Bereiche ohne direkten Personenverkehr an der Scheibe: Hier kann eine G- bzw. EW-Lösung ausreichen, sofern das Brandschutzkonzept das so vorsieht.
Welche Klasse am Ende vorgeschrieben ist, legt nicht der ausführende Betrieb fest, sondern das Brandschutzkonzept nach der jeweiligen Landesbauordnung – abhängig von Gebäudeklasse, Nutzung und Lage der Wand im Gebäude. Brandschutz ist dabei nur eine von mehreren Normebenen: Die statischen und absturzsichernden Anforderungen an Glas im Bau regelt die DIN 18008. Die Norm gibt die Klasse vor – unsere Aufgabe ist, sie sauber ins reale, geprüfte Bauteil zu übersetzen.
Typische Einsätze im Trennwand-Bau
Brandschutzglas spielt seine Stärke dort aus, wo Sicherheit und Transparenz zusammenkommen sollen:
- verglaste Flure und Treppenhäuser, die offen wirken, aber Fluchtwege schützen,
- Abtrennungen zwischen Büroeinheiten oder zu Technik- und Lagerräumen,
- repräsentative Eingangs- und Empfangsbereiche, die hell bleiben und trotzdem Brandabschnitte einhalten.
So bleibt das Gebäude lichtdurchflutet, ohne den Brandschutz zu vernachlässigen. Wie eine transparente Bürolösung ohne Brandschutzanforderung aussieht, zeigt unser Beitrag zur Glastrennwand für Büro und Großraum.
Was im Bestand planbar ist – und wo die Grenzen liegen
Hier sind wir ehrlich: Brandschutzglas ist keine Scheibe, die man beliebig zuschneidet. Es funktioniert nur als geprüftes Gesamtsystem aus Glas, Rahmen, Beschlägen und Anschluss an Wand, Boden und Decke. Tauschst du nur die Scheibe in einem vorhandenen Rahmen, ist die Brandschutzwirkung dahin.
Was im Bestand realistisch ist:
- Planbar: eine neue, zertifizierte Brandschutz-Trennwand an der richtigen Stelle einplanen und sauber an die Bausubstanz anschließen.
- Grenzen: vorhandene Wände „nachrüsten“, indem man einfach Spezialglas einsetzt, geht nicht. Auch die Anschlüsse an angrenzende Bauteile müssen mitspielen.
Genau deshalb schauen wir uns die Situation vor Ort an, statt aus der Ferne etwas zu versprechen. Wo es um reine Gestaltung ohne Brandschutz geht, sind schlanke Lösungen wie eine rahmenlose Glastrennwand nach Maß oder eine Trennwand mit Schallschutz oft die bessere Wahl. Einen Überblick über alle Möglichkeiten der Raumtrennung mit Glas findest du auf unserer Leistungsseite.
Häufige Fragen
Braucht jede Glas-Trennwand Brandschutzglas? Nein. Brandschutzglas ist nur dort nötig, wo die Wand Fluchtwege oder Brandabschnitte sichert oder das Brandschutzkonzept es verlangt. Viele Trennwände – gerade im Wohnbereich – kommen ganz ohne aus.
Was bedeutet EI30 bei einer Glaswand? EI30 heißt: Die Verglasung hält im Brandfall mindestens 30 Minuten lang Flammen und Rauch zurück (E) und bleibt auf der abgewandten Seite kühl (I). Das verschafft den Menschen im Gebäude wertvolle Zeit.
Kann man vorhandenes Glas einfach gegen Brandschutzglas tauschen? In der Regel nicht. Brandschutz wirkt nur als geprüftes System aus Scheibe, Rahmen und Anschlüssen. Ein reiner Scheibentausch im alten Rahmen erfüllt die Anforderung nicht.
Ist Brandschutzglas durchsichtig? Ja, moderne Brandschutzgläser sind klar und durchsichtig. Optisch unterscheiden sie sich kaum von normalem Glas – der Unterschied steckt im Aufbau und in der geprüften Konstruktion.
Wer legt fest, welche Klasse nötig ist? Die Anforderung ergibt sich aus dem Brandschutzkonzept des Gebäudes und den Vorgaben der Behörde. Wir planen die Trennwand passend dazu und setzen sie mit zertifizierten Systemen um.
Du bist dir unsicher, ob deine geplante Glas-Trennwand Brandschutz braucht? Lass uns das gemeinsam klären: Vereinbare ein unverbindliches Erstgespräch – wir schauen uns deine Situation an und sagen dir ehrlich, was nötig und was möglich ist.
*GLAS KÜNZL – Glas, das Räume definiert.*
Passende Themen

